Zucker – weißes Gold oder gefährliches Suchtmittel?

Von anona 4 Wochen
Zucker

„Zucker ist der neue Tabak“, das behauptete Renate Künast, Vorsitzende des Bundestagsausschuss für Verbraucherschutz (Die Grünen), 2015 gegenüber der Zeitung „Die Welt“. Was sie damit meint und ob sie mit ihrer Aussage Recht hat, diskutieren wir in diesem Artikel. 

Zucker als Sündenbock?

Viele sehen die Ursache für die um sich greifende „Epidemie“ des Übergewichts vor allem im Zuckerkonsum. Künast schlug deshalb vor, ein Gesetz zu schaffen, das es der Lebensmittelindustrie verbietet, ihre Werbung für Süßigkeiten an Kinder unter 12 Jahren zu adressieren. Zwar besteht in der Branche bereits eine Selbstverpflichtung hierzu, doch Künast sah diese an vielen Stellen nicht eingehalten.

Auch eine Zuckersteuer wird immer wieder zur Diskussion gestellt. Gerade die Krankenkassen berufen sich darauf, dass man mit höheren Kosten für zuckerhaltige Produkte sowohl das Kaufverhalten der Verbraucher beeinflussen, als auch die Kosten decken könnte, die hoher Zuckerkonsum angeblich jährlich im Gesundheitssystem verursacht.

Dick und krank durch Zucker?

Fakt ist: Zucker ist schlecht für die Zahngesundheit und hat relativ viele Kalorien. Er kann deshalb eine Ursache für Übergewicht sein, auch, weil der Konsum von Zucker den Insulinspiegel in die Höhe treibt, was wiederum ein Hungergefühl auslöst. Zucker macht allerdings nicht per se krank. Die Ursachen für Übergewicht liegen in den meisten Fällen nicht in einer einzigen Lebensmittelzutat, sondern setzen sich aus falscher Ernährung, widrigen Lebensumständen wie Stress oder Schlafmangel und fehlender Bewegung zusammen. Für die gesundheitliche Aufklärung ist es deshalb ungünstig, einzelne Lebensmittel als Auslöser für Erkrankungen zu brandmarken, weil damit das große Ganze aus dem Blick gerät.

Süchtig nach dem weißen Gold?

Mit ihrer Aussage, Zucker sei der neue Tabak, spielt Künast aber nicht nur auf die gesundheitsschädigenden Aspekte des Lebensmittels an, sondern vor allem auch auf seinen angeblichen Suchtfaktor. Aber macht Zucker wirklich im klassischen Sinne süchtig?

Zunächst einmal ist die Lust auf Süßes jedem Menschen angeboren und evolutionär begründet. An ihrer Süße konnten unsere Vorfahren die Genießbarkeit von Früchten erkennen. Außerdem liefert Zucker viel lebenswichtige Energie. Darüber hinaus aktiviert das „weiße Gold“ das Belohnungssystem im Gehirn. Aus diesem Effekt kann, wenn andere Anreize fehlen, durchaus suchtähnliches Verhalten resultieren. Eine Abhängigkeit besteht aber nur dann, wenn man selbst oder andere unter dem eigenen Verhalten leiden oder die schädliche Wirkung des eigenen Tuns erkannt und vermieden werden soll, man aber nicht dazu in der Lage ist, das unerwünschte Verhalten abzustellen. Eine solche Ausprägung ist beim Zuckerkonsum nur bei sehr wenigen Menschen zu beobachten – auch wenn die Allgegenwart von Süßigkeiten es manchmal schwer macht, ihnen zu widerstehen. Den meisten Menschen gelingt dennoch ein maß- und genussvoller Zuckerkonsum. In diesen Fällen kann von Sucht keine Rede sein.

Zucker-Alternativen

Agaven-Dicksaft, Stevia und Co.: Alternativen zum klassischen Zucker liegen mehr und mehr im Trend. Aber ist dieser Weg automatisch gesünder? Dicksäfte aus Äpfeln, Birnen, Trauben oder Agaven enthalten mehr Nährstoffe als raffinierter Zucker. Dafür nimmt man dank ihnen aber auch eine große Menge Fruchtzucker zu sich.

Stevia hingegen ist ein Süßkraut, welches den Insulinstoffwechsel nicht beeinflusst und auch keine Kalorien hat. Dennoch gibt es einen Nachteil: Im Handel finden sich keine Naturprodukte, sondern Stevioglycoside. Das sind die süß schmeckenden chemischen Verbindungen der Pflanze, welche zunächst aufwendig extrahiert werden müssen. Damit kommen sie auch nicht als Bioprodukte infrage. Und weil Stevia einem Produkt kaum Masse hinzufügt, wird oft noch mit anderem Zucker „nachgeholfen“.

Auch der Zuckeraustauschstoff Xylitol (auch als Xylit bekannt) entpuppt sich manchmal als Mogelpackung. Dann nämlich, wenn es aus Maisabfällen gewonnen wird. Trägt das Produkt dann auch kein Biosiegel, könnte gentechnisch veränderter Mais verwendet worden sein. Xylit hat aber auch Vorteile: Es enthält bei gleicher Süßkraft 60 Prozent weniger Kalorien als Haushaltszucker. Im Übermaß kann es allerdings blähend und abführend wirken.

Als Fazit bleibt die Empfehlung, Zucker so bewusst und selten wie möglich zu konsumieren. Bisher klappt das allerdings noch nicht so optimal. Jeder Deutsche isst durchschnittlich 36 Kilogramm Zucker pro Jahr. Rund 83 Prozent davon stecken in verarbeiteten Lebensmitteln wie Süßigkeiten oder Backwaren.

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  Gesundheit, Nährstoff-Lexikon
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