Heilmittel aus dem Supermarkt? Nutraceuticals auf dem Prüfstand

Von anona 9 Monaten Keine Kommentare
Nutraceuticals

Seit einigen Jahren geht in der Lebensmittelbranche ein neuer Begriff um: Immer wieder ist von „Nutraceuticals“ die Rede. Was sich hinter dieser Bezeichnung verbirgt, erfahren Sie in diesem Artikel.

Die Entstehung des Begriffs „Nutraceuticals“ lässt sich eindeutig datieren: Im Jahre 1989 wurde er von Stephen L. DeFelice, dem Gründer und Vorstand der „Foundation of Innovation Medicine“ geprägt. Es handelt sich um eine Wortneuschöpfung, die aus zwei Wörtern zusammengesetzt wurde, nämlich aus „nutrition“ (Ernährung) und „pharmaceutical“ (Pharmazeutikum, Arzneimittel). Meistens wird die englische Variante des Begriffs gebraucht, doch ab und zu hört man auch die eingedeutschte Version „Nutrazeutikum“.

Zwischen Wirkung und Genuss

Die Wortzusammenführung beschreibt schon ziemlich genau, worum es sich bei „Nutraceuticals“ eigentlich handelt: Um Inhaltsstoffe auf der Grenze zwischen Nahrungsmittel und Arznei. Nahrung dient traditionell der Ernährung und dem Genuss – Pharmazeutika gehören in den Bereich der Medizin und dienen der Therapie und Prävention. Die strenge Abgrenzung, die einstmals zwischen dem Arzneimittel- und dem Nahrungsmittelmarkt verlief, weicht aber nach und nach auf. In Zeiten, in denen sich ein gesundheitsbewusster Umgang mit dem eigenen Körper in allen Lebensbereichen durchsetzt, prüfen Verbraucher auch bei Lebensmitteln, ob sie der Gesundheit eher zu- oder abträglich sind und inwiefern sie sogar einen physiologisch wirksamen Zusatznutzen versprechen. Ganz neu ist dieser Trend nicht: „Eure Nahrungsmittel sollen eure Heilmittel und eure Heilmittel eure Nahrungsmittel sein“, soll schon Hippokrates gesagt haben.

Lebensmittel + Nutraceuticals = Functional Food

Lebensmittel, die mit Nutraceuticals angereichert sind, werden auch Functional Food genannt. Logisch, denn sie enthalten eine zusätzliche, „funktionelle“ Zutat. Das können Ballaststoffe, Mineralstoffe, Vitamine, Fettsäuren, bestimmte Bakterien oder Pflanzenstoffe wie Ginkgo und Aloe Vera sein. Als Ergebnis stehen dann probiotische Joghurts und Milchprodukte (sollen die Darmgesundheit unterstützen), Omega-3-Produkte und ACE-Säfte im Supermarktregal. Und auf so mancher Margarine ist zu lesen, dass sie den Cholesterinspiegel senkt.

Weitere Beispiele sind etwa Cerealien, Suppen- oder Getränkepulver, die mit Nährstoffen wie bestimmten Vitaminen, Mineralstoffen oder Folsäure angereichert wurden. Aber auch frei verkäufliche pflanzliche Arzneimittel, die es etwa in Drogerien zu kaufen gibt, Heiltees oder Nahrungsergänzungsmittel, die Nährstoffe in Form von Kapseln, Liquids, Tabletten oder Pulvern zur Verfügung stellen, können im weiteren Sinne als Nutraceuticals gelten.

Übrigens: Auch bei Produkten, aus denen ein unerwünschter Bestandteil entfernt wurde (zum Beispiel Laktose oder Gluten) spricht man von einem Functional Food.

Wirksamkeit wird streng geprüft

Nun darf aber nicht einfach jeder von jedem Produkt behaupten, dass es die Gesundheit seiner Konsumenten unterstützt oder vor Krankheiten schützt – seit 2006 gilt die europäische Health Claims Verordnung (Verordnung (EG) Nr. 1924/2006), die die Zulässigkeit von gesundheitsbezogenen Aussagen zu Lebensmitteln sehr streng regelt.

Grundsätzlich gilt: Wenn eine positive Wirkung auf die Gesundheit versprochen werden soll, muss diese auch wissenschaftlich belegt sein. Zudem erarbeitet die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) eine Liste der gesundheitsbezogenen Aussagen, die überhaupt über Lebensmittel gemacht werden dürfen. All dies dient dem Verbraucherschutz – denn Behauptungen über Wunderwirkungen von Lebensmitteln können die Konsumenten in die Irre führen und im Falle von Erkrankungen ernsthafte Folgen haben, etwa, wenn sich die Verbraucher auf die versprochene Wirkung eines Lebensmittels verlassen, statt einen Arzt aufzusuchen.

Für Nahrungsmittelhersteller ist es sehr viel schwieriger geworden, mit gesundheitsbezogenen Aussagen für ihre Nutraceuticals zu werben – denn die EFSA prüft sehr genau, ob die wissenschaftlichen Untersuchungen zur Wirksamkeit der Produkte hieb- und stichfest sind.

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